| Der
Briard |
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aus dem 1. Zuchtbuch des „Club für französische Hirtenhunde e.V.“ von Ruth Oess
Die
Geschichte des Berger de Brie ist tief eingebettet in die Historie des Schäferhundes
schlechthin. Die Bezeichnungen Hirten-, Hüte-, Herden-, Treiberhunde
werden wechselweise gebraucht und bezeichnen nicht immer streng
differenziert seinen jeweiligen Gebrauch. Sie lassen aber gleichzeitig die
Vielfalt erkennen, die den Dienst des Hundes kennzeichnet. Viele
kynologische Forscher sind sich darin einig, daß der Hund des Hirten zunächst
nur die Aufgaben hatte, Hirt und Herde vor Raubtieren wie Bär, Wolf,
Luchs und Fuchs, sowie vor herumstreunendem Volk, vor Räubern oder missgünstigen
Nachbarn zu schützen. Erst mit zunehmender Landaufteilung - in Frankreich
etwa nach der Französischen Revolution - verlagerte sich die
Aufgabenstellung vom reinen Schutz- und Wachdienst zur Hütefunktion. Der
Hund sollte das Ausbrechen der Herde in fremdes Gelände verhindern, um
den damit verbundenen Flurschaden vermeiden helfen. Darüber hinaus hatte
er in schwierigem und gefährlichem Gelände (Hochgebirge,
Felsenlandschaft, Schluchten, Moore usw.) das Zusammenbleiben der Herde zu
gewährleisten. Diese neugestellten Aufgaben brachten auch Änderungen des
Hundetyps mit sich. Es kam zu Kreuzungen und Züchtungen vorwiegend
leichterer Hunderassen durch die Schäfer. Die Variationsbreite der heute
bekannten Schäferhund-Rassen und -Typen hat zweifellos ihren Grund in
diesem Wandlungsprozess. Interessant erscheint mir aber die Beobachtung,
daß es noch in vielen Großregionen neben den kleineren Hütehunden die
größeren Schutzhunde gibt, die dem Hirten mit verschiedener
Aufgabenstellung zur Seite sind (Frankreich Pyrenäenschäferhund neben
Pyrenäenberghund; Ungarn Puli neben Kommondor). Das war vor allem in
besonders gefährdeten Gebieten der Fall und hat sich bis in unsere Tage
erhalten. Diese Beobachtung könnte eine eigene Abhandlung werden. Von
mehreren Fachleuten wird auch auf die interessante Tatsache hingewiesen,
daß Hirtenhunde aus aller Welt ein hohes Maß an Gemeinsamkeit haben,
sowohl in Bezug auf das Erscheinungsbild wie in Bezug auf Wesen und
Verhalten.
So ist m.W. in unserem Klimakreis kaum ein glatthaariger Hütehund zu
finden. Das Fell variiert vom Rauh- und Stockhaar bis zum Superbehang,
etwa des Kommondors oder des Puli.
Etwa in der Mitte dieser Spanne finden wir den langhaarigen Briard, dessen
Behang aber ebenfalls Varianten nach der einen oder anderen Seite
aufweist. Natürlich wird er in der Vergangenheit kaum mit dem sorgsam
gepflegtem Behang eines heutigen Ausstellungs- und Begleithundes
konkurrenzfähig gewesen sein. Denn er war durch und durch Arbeitshund,
der viele Strapazen zu durchstehen hatte, die nicht eben
„fellfreundlich“ waren. Die vom Hund geforderten Eigenschaften waren
vorwiegend:
Ausdauer, Wetterfestigkeit, Bedürfnislosigkeit, Herdentreue,
Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Mißtrauen gegenüber allem Fremden und
dem normalen Tagesablauf Zuwiderlaufendem.
Die vielen Hirtenhunden gemeinsame Eigenschaft des Umkreisens weist in die
Jahrhunderte des Hütedasein zurück. Sie gewährt dem aufmerksamen
Beobachter die aufregende Möglichkeit, eine Wesensprägung zu erleben,
die sich durch Gebrauch und Zuchtwahl über große Zeiträume hinweg
genetisch fixiert und erhalten hat. An diesen Zuchtergebnissen haben die
Hirten vergangener Tage großen Anteil. Sie machten sich wohl die
Eigenschaft der die Gehöfte und Siedlung umkreisenden Hunde zu eigen,
indem sie sich bei der Einkreuzung solcher Hunde bedienten. Die Schulung
durch den Schäfer vertiefte die Prägung.
Prof. Dr. Konrad Senglaub vertritt die Ansicht, daß diese speziellen
Eigenschaften des Hütehundes nur durch züchterische und hundehalterische
Bemühungen bewahrt werden können. In freier Wildbahn würde diese
Eigenschaften bald verloren gehen. Das dürfte aber mit der Zeit auch für
die Stadt-Haltung von Hunden zutreffen. Lassen wir uns also nach Möglichkeit
auf unseren Spaziergängen weiterhin fröhlich umkreisen, indem wir uns
als Schafherde fühlen.
Über den Ursprung der Hirtenhundrassen gibt es eine Fülle von Theorien
und Hypothesen, die aber alles in alles deutlich machen, wie sehr
kynologische Forschung teilweise noch im Dunkeln tappt. So wollen einige
Forscher in dem Hirtenhund einen Nachfahren des sogenannten Bronze-Hundes
sehen, was durch den Vergleich ausgegrabener Schädel bekräftigt sei.
Wer sich auf kynologische Forschungsreise begibt, muß des öfteren die
enttäuschende Entdeckung machen, daß alte überlieferte
Rassenbezeichnungen, die auch heute noch gängig sind, keine Gewähr für
die Identität der damit bezeichneten Rasse von einst und jetzt bietet.
Die Kunst bietet mit Hundedarstellungen auf Gemälden, Wandteppichen und
Kirchenfenstern, mit Plastiken, Buchmalerei und anderen Wiedergaben ein
reichhaltiges Feld für Mutmaßungen und Vergleiche. Doch handelt es sich
dabei um ein Informationsmaterial, das jedenfalls kritisch gesichtet und
behutsam gedeutet werden sollte.
Natürlich heften sich an solche Darstellungen auch Geschichten und
Geschichtchen, die aufregendes oder rührendes über den dargestellten
Hund zu berichten wissen, aber meistens ins Reich der Legende führen. So
soll Alberich von Montdidier im 12. Jahrhundert zu Ehren eines Briards
eine Kathedrale errichtet haben. Dieser Hund habe seinem Sohn das Leben
gerettet. Sogar Karl der Große soll schon Briard - Besitzer gewesen sein. Für
diese Behauptung werden alte Gobelins herangezogen. Wen wundert es, daß
tausend Jahre später auch Napoleon selbstverständlich Briards sein Eigen
genannt haben soll.
Es ist ebenso amüsant wie liebenswert, Alter und Bedeutung der geliebten
Hunderasse auf diese Weise bewiesen zu sehen. Und es ist nur zu verständlich,
daß diese Liebe dabei gegenüber anderen Rasseliebhabern in den Triumph
ausbricht: „Mein Hund ist älter und bedeutender als deiner!“
Aber wie gesagt: In nur wenigen Fällen sind solche Berichte und Deutungen
verbürgt und als Historie anzubieten. Schon gar nicht bei den Schäferhundrassen,
die niemals im Glanz des herrschenden Adels gestanden haben, wie Jagd- und
Hetzhunde.
Der Name „Berger de Brie“ wird erstmals im Jahr 1809 erwähnt,
und zwar durch Abbe Rozier, der in seinem „Cours d´Agriculteur“ unter
anderen Hunderassen auch den Briard benennt. Man muß aber wissen, daß er
damit alle Hirtenhunde der Ebene bezeichnete, im Gegensatz zum Chien de
Loup (Wolfshund), der als der „Matin“ des Mittelalters bekannt ist.
Hinzu kommt, daß der Name „de Brie“ das Vorkommen dieses Hundes
keineswegs auf die genannte Landschaft beschränkt, ja, daß er dort nicht
einmal häufig anzutreffen gewesen sei. Für genauere Auskunft reichen
aber solche Angaben nicht aus. Die Geschichte einer Rasse ist nur so weit
präzise zurückzuverfolgen, wie es ernsthafte Zuchtbuchführung oder
andere entsprechende Registrierung ermöglicht.
In dieser Hinsicht ist den Engländern viel zu verdanken. Von der Mitte
des vorigen Jahrhunderts an bildete sich in England immer mehr eine planmäßige
Hundezucht mit Zuchtbuchführung heraus. Mit der Gründung des Kennel
Clubs von England im Jahr 1873 wurde auch das Hundestammbuch (Kennel Club
Sud book) geschaffen, dessen 1. Band 1874 in Birningham mit 4027 Hunden,
die in vierzig Klassen eingeteilt waren, erschienen.
Diese vorbildlichen kynologischen Bemühungen fanden bald Nachahmung in
anderen Ländern. In Frankreich, das eine imponierende Tradition an
Hundeliteratur aufzuweisen hat, erfolgte 1882 die Gründung der „Societe
Centrale Canine pour l´Amelioration des Races de Chiens en France“, der
Zentralverband zur Förderung der Hunderassen in Frankreich. Aus der
Vereinigung der Liebhaber von französischen Schäferhundrassen um 1896
ging 1909 der Club der Briardfreunde hervor: Le club les Amis du Briard.
Seine Gründung eröffnete uns heute die Möglichkeit, eine exakte
„Ahnenforschung“ unseres Briards zu betreiben und die Zucht planmäßig
und gezielt wahrzunehmen.
Verbunden mit diesen Clubgründungen war die Organisation von
Hundeausstellungen in kleinerem und größerem Rahmen, meistens im Rahmen
von Landwirtschafts- und Jagdausstellungen. Hierbei wurde in der
Konkurrenz zunächst die Nützlichkeit betont; erst mit der Zeit gewann
die Schönheitskonkurrenz den Platz, den sie heute durchweg einnimmt.
In der französischen kynologischen Forschung hat sich Pierre Megnin
(1828-1905) große Verdienste erworben. Er begründete bereits 1885 die
kynologische Zeitschrift „L`Eleveur“ (Der Züchter). Viele
Beschreibungen und Abhandlungen stammen aus seiner Feder.
Im
Briard sieht P. Megnin das Ergebnis einer Kreuzung zwischen dem Chien
Berger Francais und dem Barbet (Zeichnung links). Ersterer dürfte mit dem
Berger de Beauce identisch sein, letzterer mit dem Jagdpudel. Magnin
bezieht sich des öfteren auf Buffon (1707-1788), in denen 36-bändigen
Werk „histoire naturelle generale et particuliere“ auch eingehend der
Hund behandelt und in Kupferstichen dargestellt wird. Sicher gilt Buffon
hinsichtlich seiner Abstammungshypothesen weitgehend als überholt. Aber
da bei ihm - im Gegensatz etwa zu Linne - die Naturbeschreibung überwiegt,
ist er nach wie vor interessant und von großem Wert für die Kynologie.
Ich kann in diesem Zuchtbuch die Anstammungstheorie P. Megnins anhand
zweier Kupferstiche aus Buffon beschreibt 1785 den „Chien de Berger“
(Zeichnung rechts) so:
Kurze
aufrecht stehende Ohren, Schwanz waagrecht oder nach oben zurückgebogen,
manchmal auch hängend. Das Fell ist lang und bedeckt den ganzen Körper
mit Ausnahme der Schnauze und Außenseite des Beins, der unteren
Beinpartie und der Fersen. Vorherrschende Farbe ist schwarz. Den
abgebildeten Hund schildert er folgendermaßen: Am Hals grau, ebenso auf
Brust und Bauch. Beine und Schwanz haben mehr gelb als schwarz. Auch
finden sich gelbbraune Flecken über den Augen und ebensolche Färbungen
auf der Schnauze. „Man nennt diese Rasse Chien de Berger, denn man
gebraucht sie zur Bewachung der Herden“.
Über den Grand Barbet schreibt er: Er hat einen dicken und runden Kopf,
breite und hängende Ohren, kurze Beine, gedrungenen und kurzen Körper.
Die Stellung des Schwanzes ist fast horizontal, das Fell lang und am
ganzen Körper gekräuselt, von einer Art, die es erschwert, die wahre
Figur des Tieres sich vorzustellen, weil seine sämtlichen Körperpartien
von einem buschigen Fell bedeckt sind. Vorherrschende Farben sind weiß
und gelblich-weiß. Indessen gibt es auch rotgelbe, schwarze .... usw.
Mag die Abstammungsthese Megnins auch nicht unwidersprochen sein, rein
optisch hat sie einiges für sich, wie Sie an den Bildern erkennen können.
Paul Megnin, der Sohn von Pierre, ebenfalls Kynologe wie dieser,
unterstreicht diese Hypothese mit der Bemerkung, daß der chien de Brie
„ein wenig unserem alten Barbet oder dem Griffon ähnelt (Nos Chiens,
1923).
Der bekannte deutsche Schäferhundspezialist von Stephanitz (1863-1936) -
Mitbegründer des „Verein für deutsche Schäferhunde“ (1899) - beschäftigt
sich mit der allgemeinen Vorgeschichte des Schäferhundes eingehend. Auch
er weist auf viele überraschende Gemeinsamkeiten der Hirtenhunde hin. Er
stellt fest, daß dem Chien de Brie vor 170 Jahren vielfach noch der „Matin“
zugesellt worden sei, um ihn für die eigentliche Aufgabe des Hütens
freizustellen. Diese Aussage unterstreicht die Betonung vieler anderer
Kynologen (so auch Sedir), daß der Hütehund vor allem leicht und
beweglich sein müsse, auf keinen Fall aber zu groß sein darf. Die Standartbegrenzung
der Höhe hat hierin ihren historischen Grund.
V. Stephanitz unterscheidet den rauhaarigen und den zottehaarigen Briard
und schließt folgende Hypothese an: „Da die zottehaarigen Briards nicht
unerheblich größer sind als die rauhaarigen, stellen erstes wohl,
entsprechend unseren Altdeutschen, die Reste des altfranzösischen Schäferhundes
dar. Während die kleineren, Rauhaarigen vielleicht auf die Einkreuzung
von Beauceronblut zurückzuführen sind.
Verstand und Zuverlässigkeit wird bei ihnen besonders gerühmt (Der
Deutsche Schäferhund in Wort und Bild von Stephanitz-Grafrath, II. Teil,
1909).
The Kennel Encyclopedia des Britischen Kennel Club (1908) enthält einen
Artikel von Henry Sodenkamp über französische Schäferhunde. Der
Verfasser weist darauf hin, daß die Briards vor allem in den Ebenen der
Somme und der Beauce - aber nur selten in der Brie - zu sehen sei. Er übernimmt
die These, daß es sich beim Briard um eine sehr alte Rasse handle. Er
vermerkt ein wachsendes Interesse am Briard, der seit 1896 immer mehr als
Showdog ins Blickfeld rücke. Seine Wertschätzung drücke sich auch in
den hohen Preisen für diese Rasse aus. Die Rasse sei in den letzten
Jahren (also um die Jahrhundertwende) sehr verbessert worden. Seltsam sei
es allerdings, daß die beste Zucht in Belgien zu finden sei. Sodenkamp
nennt den stärksten Zwinger „La Hulpe“ der Madame Verlinde (mit großer
Wahrscheinlichkeit stellt die in meinem Besitze befindliche Lithographie
„tete de briard“ einen Hund aus diesem berühmten Zwinger dar. Ich
fand sie in Brüssel). Die für uns heute bedeutsame Informationsquelle
stellt zweifellos das Buch von Sedir (Pseudonym von Yvon le Lou,
1871-1926) dar; Le Berger de Brie, chien de France (1926, wieder auf-
gelegt 1978). Eine deutsche Übersetzung des Buches wäre dringend zu wünschen.
Es enthält unter vielen anderen Beschreibungen, Erfahrungen,
geschichtliche Anmerkungen zum Thema Briard, auch die Standardentwicklung
von 1897 bis 1978. In diesem Standard, die in unregelmäßigen Zeitabständen
überarbeitet und als verbindlich aufgestellt wurden (1897 - 1909 - 1925
-1978), wird die Bemühung deutlich, die historisch überlieferte
Eigenart des Hundes gegen ausgesprochene Modeströmungen zu schützen
(etwa gegen den Wunsch, seine Größe anzuheben).
Das heutige Erscheinungsbild soll am Urbild des im Hütedienst
eingesetzten Briards orientiert sein. Somit dient der Standard auch einer
ersthaften Traditionspflege, die ein ganz besonderes Maß an Interesse und
Verständnis fordert. Dies läßt einzelne Beschreibungen des Briards
besonders informativ erscheinen. Beispielsweise, daß es im oberen Becken
der Garonne einige Briards von kleiner Höhe (50 cm Schulterhöhe) gegeben
habe, die natürliche Stehohren hatten (C. Leseble). Und Sedir bezieht
sich auf die Beobachtung eines bekannten Richters (M. Sauvage), der in der
Brie vielen kleinen und feurigen Briards begegnet sei, mit natürlichen
Stehohren und von gelber Farbe.
Wie unterschiedlich der Typus der Berger de Brie zur damaligen Zeit war,
zeigen zwei Abbildungen in diesem Buch. Sie bilden ein Stück
illustrierter Briardgeschichte: 1863 wird der Briard auf der ersten
Hundeausstellung in Frankreich gezeigt. Meine Tochter hat in Paris eine
sehr seltene Lithographie ausgestöbert, die einen braungefärbten Hund
mit dem Namen „Charmante“ zeigt. Eine Kopie diese Bildes überbrachte
ich dem Präsidenten des Französischen Clubs. Es löste besondere Überraschung
aus, weil als bisher bekanntes frühestes Bild das ebenfall abgebildete
von „Sans-Gene“ galt, die zwei Jahre später (1865) von M. Gersent
ausgestellt und von Pierre Megnin gezeichnet worden war.
Sedir stellt ausdrücklich fest, daß „seit 40 Jahren“ (also seit ca.
1880) die Züchter bemerkenswerte Verbesserungen in der Zucht erreicht hätten.
Seit dieser Äußerung sind bis heute wiederum 50 Jahre vergangen. Seit
der Gründung des „Club für französische Hirtenhunde“ ist natürlich
auch das deutsche Interesse an der Briard-Geschichte gewachsen. Zwar ist
eine große Flut von Hundebüchern zu verzeichnen, aber nur wenig eigenständige
Forschung. Vieles wird einfach abgeschrieben und unkritisch übernommen.
Da weiß ein sehr dekorativ ausgestattetes großes Hundebuch unter dem
Stichwort „Briard“ erstaunliches zu berichten:
„Im Laufe der Jahrhunderte ist dem Briard sicher das Blut vom Deerhound
(!), vom Barbet und vom Griffon zugeführt worden. Bis zur Trennung der
beiden Rassen haben häufige Kreuzungen mit dem Beauceron
stattgefunden“.
Seit langem gibt es Briards in Deutschland, aber bis 1975 nur vereinzelte Liebhaber dieser Rasse. 1975 fand dann die Gründungsversammlung des „Deutschen Briard-Clubs“ statt und ein Jahr später wurde der Vereinsnamen geändert in „Club für französische Hirtenhunde e.V.“, so wie er heute noch besteht. Alle 3 Rassen, also Briard, Beauceron und Picard, werden von ihm betreut. Jahre später entstand hieraus ein zweiter Club, der „Briard Club Deutschland e.V.“. Bis heute wurden über 4000 Hunde in das Zuchtbuch des CFH eingetragen. Der Briard erfreut sich immer größerer Beliebtheit, aber es konnte bisher Gott sei Dank vermieden werden, dass er zu einem Modehunde hochgejubelt wurde.
Der Briard gehört, sehr zu unserer
Freude, noch zu einer gesunden und robusten Rasse. Seine Lebenserwartung
liegt im Durchschnitt bei 12 Jahren.
Typische Krankheiten sind nicht bekannt. Die Hüftdysplasie hat man durch
strenge Zuchtauflagen gut im Griff und so kommt es doch selten vor, dass
ein Briard so schwere HD hat, das er operiert oder sogar eingeschläfert
werden muss, wie das von einigen anderen Rassen immer wieder zu hören
ist.
Für den Magendreher sind vor allem grosse Hunderassen leider manchmal
auch Kandidaten. Auch wieder nicht rassetypisch, trifft es aber hin und
wieder doch einen Briard. Mir sind aber positive Fälle bekannt, d.h. die
aufmerksamen Hundebesitzer haben es rechtzeitig erkannt, schnell und
richtig reagiert und so konnten die Hunde erfolgreich operiert werden.
Hat man seinen Hund erfolgreich und gesund alt werden sehen, lassen sich
aber die Alterszipperlein trotzdem nicht aufhalten. Aber das gehört zum
Leben!
FCI-Standard Nr. 113, Ursprung: Frankreich 6.5.88, Übersetzung: U. Fischer u. A. Loew
Allgemeine Erscheinung
Rustikaler Hund, geschmeidig, muskulös und gut proportioniert, mit
lebhaften und aufgeweckten Bewegungen, von ausgeglichenem Wesen, weder
aggressiv noch ängstlich.
Größe
62-68 cm die Rüden, 56-64 cm die Hündinnen. Die Körperlänge muss grösser
sein als die Höhe. Der Briard ist länglich.
Kopf
Stark, lang, ausgeprägter Stop, der so plaziert sein muss, dass er von
der Nasenspitze den gleichen Abstand wie vom Hinterhauptbein aufweist,
ausgestattet mit Haaren, die Bart, Schnauz und Augenbrauen bilden,
letztere verdecken leicht die Augen.
Stirn
Sehr leicht gerundet.
Oberkopf
Geradlinig.
Schnauze
Weder schmal, noch spitz
Nase
Mehr viereckig als rund, Nasenspiegel immer schwarz, kräftig, offen
Zähne
Stark, weiss und perfekt zueinander passend.
Augen
Waagrecht, gut geöffnet, eher gross, nicht schlitzäugig, von dunkler
Farbe, mit intelligentem und ruhigem Ausdruck. Ein graues Auge bei einem
grauen Briard wird nicht bestraft.
Ohren
Hoch angesetzt. Vorzugsweise kupiert und aufrecht getragen, falls sie in
ihrer natürlichen Form belassen wurden, eher kurz und nicht anliegend.
Bei gleicher Qualität soll dem Hund der Vorzug gegeben werden, dessen
Ohren kupiert aufrecht getragen werden. Die Länge des natürlichen Ohres
soll die Hälfte der Kopflänge nicht überschreiten oder eher etwas kürzer
sein, immer flach und mit langen Haaren versehen.
Körperbau
Muskulöser, von der Schulter abgesetzter Hals.
Brust
Breit (handbreit zwischen den Ellenbogen), tief und gut bis zu den
Ellenbogen herabgezogen.
Kruppe
Wenig geneigt, leicht gerundet.
Rücken
Gerade
Läufe
Gut bemuskelt, mit starkem Knochenbau und senkrecht gestellt.
Sprunggelenke
Nicht zu nahe am Boden und so gewinkelt, dass der Hintermittelfuß annähernd
senkrecht steht.
Rute
Ungekürzt, gut behaart, am Ende einen Haken bildend, niedrig und nicht
von der geraden Linie abweichend getragen, muss die Spitze des
Sprunggelenkes erreichen oder diese um höchst. um 5 cm überschreiten.
Pfoten
Stark, rund geformt (Zwischenform zwischen Katzen- und Hasenpfoten).
Krallen
Schwarz
Pfotenballen
Hart
Zehen
Geschlossen
Haar
Gedreht, lang, trocken (Ziegenhaarstruktur) mit leichter Unterwolle.
Fellfarbe
Alle einheitlichen Farben sind zugelassen, ausser die unten aufgeführten.
Die dunklen Farben sind empfehlenswerter. Nicht mit Zweifarbigkeit zu
verwechseln ist ein leicht heller Farbton der Gliedmassen, was nichts
anderes ist, als ein beginnende Depigmentierung ist. Diese Farbe, nur
wenig heller, muss im selben Farbton bleiben (dunkles Fauve auf hellem
Fauve, dunkles Schwarz auf hellem Schwarz, dunkles Grau auf hellem Grau).
Das Fauve muss warm und einheitlich sein, weder hell noch ausgewaschen.
Strafgründe: Schwarz mit rötlichem Schimmer; ungenügend warmes Fauve;
weisser Brustfleck; zu stark charbonniert; an der Grenze zur
Mantelbildung; sehr helles fauve - ausgewaschen.
Gründe zur Disqualifikation: Die Farben weiss, Kastanien- oder
Mahagoniebraun, Bicolor, weisser Bruststreifen, weisse Haare am Ende der
Pfoten. Fauve mit charbonniertem Mantel. Zu helle Farbe.
Bicolor: Im Bereich der dunklen Haare ist die Haut bläulich und im
Bereich der hellen Partie rose.
Afterkrallen
Doppelte Afterkrallen an den Hinterläufen. Hunde, selbst von sehr gutem
Typ, die nur eine Afterkralle aufweisen, können nicht prämiert werden.
Sie können nicht zur Zucht zugelassen werden. Die doppelten Afterkrallen
müssen aus zwei knochigen Teilen mit Kralle bestehen, so nah wie möglich
am Boden angesetzt, um so eine bessere Auflage des Fusses zu gewährleisten.
Man sagt immer, der Briard ist ein
„Herz mit Haaren drum herum“. Das beschreibt allerdings den "gut
erzogenen" Briard ziemlich genau und deshalb haben wir uns in diese
Rasse verliebt. Als Hirtenhund hütete er früher die Schafe. War die
Herde in Bewegung, lief der Hund herum und hielt sie zusammen. War die
Herde ruhig, suchte er sich ein Plätzchen und schlief. Heutzutage ist es
die Familie, die er behütet. Wenn er als Familienhund leben darf, baut er
eine gute Beziehung zu ihnen auf. Er wird von sich aus auf „seine
Leute“ achten und immer um sie herum sein. Grund genug, warum sich der
Briard nicht als Ketten- und Hofhund eignet.
Er hat noch einige ganz besondere Eigenschaften, die ich hier aufzählen möchte:
temperamentvoll, wachsam, misstrauisch gegenüber Fremden, arbeitsfreudig
auf dem Hundeplatz, ob das Breitensport oder Rettungshundearbeit ist. Er
eignet sich auch zum Schutzhund. Verspielt - untereinander und mit
Menschen und keine Kläffer.
Einen Jagdtrieb hat er nicht (seltene Ausnahmen bestätigen die Regel),
auch wenn er gerne mal einem Vogel oder Hasen nachrennt. Aggressionen sind
nicht erwünscht, denn als Familienhund wünscht man sich ja einen zwar
wachsamen aber nicht unbedingt scharfen Hund.
Aber das allein ist nicht nur der guten Herkunft sondern auch einer
konsequenten Erziehung zu verdanken. Bei regelmäßigen Besuchen auf dem
Hundeplatz und den Arbeitstagen, die der Club anbietet, lernt man, die
Hunde richtig zu erziehen und sie somit zu umgänglichen Hunden zu machen,
die einen jederzeit überall hin begleiten können. Mit der richtigen
Mischung aus Konsequenz und Liebe bekommt man einen treuen Gefährten, auf
den man sich verlassen kann.